Gesungene Gebete

Himmel im Augenblick

Arndt Büssing In der englischen Sprache lassen sich die beiden Aspekte von Himmel einfacher benennen, da es zwei unterschiedliche Worte für das gibt, wofür in der deutschen Sprache nur ein Begriff existiert.

Wenn wir in den Himmel schauen, dann meinen wir „sky“, den kosmischen Himmel über uns. Am liebsten ist uns dabei tagsüber der unbewölkte, der „blaue“ Himmel mit Sonnenschein, der unsere Stimmung aufhellt und uns nach draußen in die Natur zieht. Des Nachts freuen wir uns, wenn über uns die Sterne funkeln.

Neben dem äußeren gibt es den inneren Himmel, der im Englischen mit „heaven“ bezeichnet wird. Es ist der religiöse Himmel, der in der Bildsprache als Wohnort Gottes angesehen wird. Der rabbinischen Vorstellung nach wohnt Gott im 7. Himmel. Im Evangelium steht der Himmel zugleich für Gottes neue Welt. Während der Evangelist Matthäus vom „Himmelreich“ spricht, benennt es der Evangelist Lukas mit „Reich Gottes“. Die neue Welt Gottes hat mit Jesus Christus begonnen und wir sind mitten drinnen. „Weißt du, wo der Himmel ist, außen oder innen? Eine Handbreit rechts und links, du bist mitten drinnen!“ (Wilhelm Willms).

„Himmel“ ist in der Umgangssprache Synonym für alles „Paradiesische“, insbesondere wenn es um den „7. Himmel der Liebe“ geht. Im „7. Himmel“ zu sein, bedeutet Jubel, Glück, Lebensfreude. Alles scheint perfekt, Genuss pur. Nur ist dieser Himmel kein Dauerzustand, sondern häufig Momentaufnahme. Auch wenn wir einander „den Himmel auf Erden versprechen“ oder zumindest wünschen, „machen“ können wir ihn nicht, er ist Geschenk.

Dies verdeutlicht das Lied „Himmel im Augenblick“. Es möchte dafür sensibilisieren, die Momente des Augenblicks bewusst wahrzunehmen und sie als „himmlisch“ zu qualifizieren. Nicht weit weg zu gehen, nicht hoch nach oben oder tief nach unten, nicht nach hinten oder nach vorne, nicht nach Morgen oder nach Gestern, denn dann stehe ich in der Gefahr, den Himmel zu verpassen.

Gerade im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick kann er zu finden sein: im Lächeln, im Schweigen, in deinen Händen. Im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick kann der Himmel sich offenbaren: für mich selbst oder für andere. „Halt an, wo läufst du hin? Der Himmel ist in dir. Suchst du Gott anderswo, du fehlst ihn für und für.“ Dieses Wort des schlesischen Dichters Angelus Silesius (1624 - 1677) verdeutlicht, dass wir den Himmel oft in Äußerlichkeiten suchen, ihn aber in uns selbst finden können. Für die Mystiker gilt: „Wer bei Gott eintaucht, taucht beim Menschen wieder auf.“ Gottesliebe und Menschenliebe gehören zusammen, Mystik und Politik, Gotteserfahrung und gesellschaftspolitisches soziales Engagement. Wer mit Achtsamkeit unterwegs ist, wer im Hier und Jetzt lebt, der spürt Gottes neue Welt im Augenblick. Ein Lächeln, das Schweigen, das Tun unserer Hände kann sie zum Ausdruck bringen.

Stefan Federbusch ofm, Hofheim