Gesungene Gebete

Gott wird dich segnen

  Gedanken zum Lied: Gott wird Dich segnen

Seit meinen Kindertagen bin ich mit dem Gefühl groß geworden, dass Segen und Schutz Hand in Hand gehen. Worte wie: beschützen, bewahren, fernhalten, tauchen in vielen Gebeten im Zusammenhang mit Segen und segnen auf. Es ist ein sehr menschlich nachvollziehbarer Reflex, das alles, was mir lieb und wert ist, mir auch lieb und wert bleiben soll. Fürsorge, Beschützen, Fernhalten von allem, was dies zerstören könnte, sind die natürlichen Reaktionen auf jede Bedrohung.

Irgendwann ist in mir dieser Zusammenhang von Segen und Schutz zerbrochen. Das Leben ist nicht fair. Gott lässt Vieles geschehen, das mit Schutz, Sorge, Fernhalten von allem Zerstörerischen nicht vereinbar ist.

Als Priester segne ich Kinder nicht mehr mit den Worten: Gott segne und beschütze dich! Ich sage nunmehr: Gott segne und begleite dich!

Dieser feine Unterschied kommt in diesem wunderbaren Segenslied schön zur Geltung. Der Refrain spannt förmlich einen Kokon aus Segen um mich herum. Ich darf eingebettet sein in den Zuspruch Gottes. Dieser Segen ist aber kein Tresor, der mich vor allen Unannehmlichkeiten, auch nicht vor großem Katastrophen beschützt. Er sagt mir vielmehr die Wegbegleitung Gottes zu bei allem, was auch geschehen mag. Begleitung, gepaart mit Wachsamkeit und Achtsamkeit kann sicher viel Schlimmes und Verletzendes verhindern, bevor es geschieht. In beide Haltungen wollen uns die Zeiten des Advent und der Fastenzeit führen, die im Laufe eines Jahres immerhin zusammen elf Wochen einnehmen. Diese Einübungsphasen helfen mir, Haltungen auch über das Jahr hindurch zu behalten oder mich neu zu befragen.  

Ich denke nur einmal an das Verhalten im Straßenverkehr oder den Gebrauch von Sprache und Mimik. Wachsamkeit und Achtsamkeit stehen dort oft einer zunehmenden Verrohung und Selbstbehauptung entgegen.

Auf Gottes Begleiten zu hoffen bei allem was geschieht, gibt mir eine Adresse für meinen Dank, meine Klage und natürlich auch für die große Frage „Warum?“

Gäbe es diese begleitende Nähe nicht, wäre auch die Adresse tot.

„Ich bin bei euch alle Tage, bis zum Ende der Welt“ sagt Jesus von sich. Die Liebe kämpft nicht um sich selbst, sie sucht nicht ihren Selbsterhalt im Schutz. Die Liebe begleitet und durchdringt alles, was ist, bis hin zum Tod.

Segen ist Einübung in diese wunderbare Hoffnung. Segen ist Begleitung in allem was kommt. Segen stärkt meinen Mut zu dieser Zumutung.

Dechant Paul Mandelkow, Unna