Gesungene Gebete

Auf all deinen Wegen

Mehrzahl und Einzahl stehen sich in dieser „Broke“ (jiddisch = Segensspruch) gegenüber. Stehen sich im Leben gegenüber.

Der e i n e Gott, sein Stern und sein Kleid der Hoffnung, der göttliche Singular! Wege, Nächte und Tage, der menschliche Plural.

Erst in der letzten Zeile finden das e in e Tun des Menschen und das e i n e Angesicht Gottes zueinander. Nur ein Wunsch? Es ist der Segen, der über dem Menschen und seinem Tun ausgesprochen ist.

Lust und Last des Menschen, dass er in der Vielfalt und den scheinbaren Gegensätzen des Lebens leben muss. Erst in dem Einen fallen die Gegensätze zusammen, wie Nikolaus von Kues im 15. Jahrhundert weiß. Umso wichtiger ist für den Menschen der Glaube, dass Gott zwischenzeitlich nicht wegschaut. Im Gegenteil. Gott ist intensiv am Werk. Gottes Tun ist höchst aktiv:

ER behütet, begleitet, umfängt dich. In all dem leuchtet sein Angesicht. Aber er macht dem Menschen nichts vor. Zwingt ihn nicht in ein notwendiges Tun.

Diese liebevolle, leuchtende, nicht fordernde Hinsicht Gottes auf das Tun des Menschen macht unsere Tage hell. Da können auch die dunklen Taten des Menschen ans Licht kommen. Und der Mensch darf hoffen, dass Gottes Tun, dass SEIN Segen verwandelnde Kraft hat.

Dr. Wilhelm Bruners, Mönchengladbach