Gesungene Gebete

Gott, Du hast mich hart getroffen

Ich bewundere David. Der 38. Psalm, der diesem Lied von Arnd Büssing zu Grunde liegt, wird dem wohl bekanntesten König Israels zugeschrieben. Und Erfahrungen harten Getroffenseins haben sein Leben begleitet. Es gab Höhenflüge und immer wieder Zeiten tiefster Depressionen. David hatte in seinem Leben vielfach übelsten Mist gebaut und oft genug hatte er die Konsequenzen zu tragen, aber es gab auch manche Tiefpunkte, für die er keine Verantwortung zu tragen hatte. Und doch gibt es einen Lebensgrundton: Zuversicht und Gottvertrauen. Auch in den schwierigsten Zeiten, auch dann, wenn Gott unendlich weit weg zu sein scheint, schafft es David irgendwie, sich seinem Gott wieder zuzuwenden. Selbst der Ehebrecher und Mörder David, der an seiner Tat verzweifelt, findet wieder einen Zugang zu Gott, und Gott lässt sich anrufen. Und dass David das schafft, nötigt mir Bewunderung ab.

Was machen wir, wenn unser Leben aus den Fugen gerät, wenn uns der Boden unter den Füßen wegbricht? Klagen wir, lamentieren wir, ziehen wir uns zurück oder geben wir gar unser Leben auf? 

Mit Schuld, Scheitern und mit Schicksalsschlägen umzugehen, ist sicherlich eine lebenslange Lernaufgabe. Aber den Mut zu haben, sich immer wieder Gott zuzuwenden, das ist schon etwas, das ich mir wünsche und davon erzählt das Lied mit dem Titel „Gott, du hast mich hart getroffen“.

Zwei Gedanken finde ich in diesem Zusammenhang bemerkenswert: (1) mehr oder weniger  hart getroffen zu sein - das ist eine Erfahrung, die zum Leben scheinbar immer einmal wieder dazu gehört, auf die man auch gerne verzichten könnte, gerade dann, wenn es sich um so richtige Tiefschläge handelt. Dass man dann fragt, warum Gott so etwas zulässt oder wo Gott überhaupt sei, verwundert nicht. (2) Aber der zweite Gedanke ist dann der, der vielleicht weiterhelfen kann. Der Beter weiß grundsätzlich darum, dass Gott ihn getroffen hat, es also eine Begegnungsmöglichkeit gibt - Gott also definitiv auch dann da ist, wenn von ihm nichts zu sehen und zu spüren ist.

Das Leben ist manchmal schrecklich. Ich habe mich oft gefragt, was wohl mit meinem Glauben passiert, wenn mein Leben einmal schrecklich und unerträglich werden sollte. Eine bange Frage, auf deren konkrete Beantwortung ich gerne verzichtet hätte. Aber es war dann tatsächlich so: als es mich hart traf, habe ich Gott getroffen. Es gab sie, die Lichter, an denen ich mich in finsteren Stunden und Tagen orientieren konnte. 

Und ich lernte, David etwas zu verstehen und war dankbar für manch einen seiner Psalmen und Lieder.

Torsten Ernst, Dessau