Gesungene Gebete

Eingewoben in Deinen Segen

Jeden Abend, am Ende meines Tagesrückblicks, wende ich mich der größten Sehnsucht meines Lebens zu. Das ist für mich Gott. Und mit Gott ist das ja so eine Sache, er ist nicht immer so verfügbar, wie vielleicht meine Freundinnen und Mitschwestern über WhatsApp oder andere Messenger-Dienste verfügbar sind. Da sehe ich, wann und ob sie online sind, ob sie meine Nachrichten gelesen haben und die ganz guten Freundinnen antworten dann auch ziemlich direkt. Bei Gott ist das etwas anders, seine Nachrichten kann ich nicht immer direkt lesen oder verstehen. Noch dazu weiß ich gar nicht so genau, was er von mir mitbekommt, bei ihm gibt es keine Lesebestätigungen.

Wie tröstlich ist es da, wenn ich davon singen und daran glauben kann, dass, auch wenn er keine Lesebestätigungen schickt, Gott doch derjenige ist, der mich zuerst sucht. Der meine Nachrichten schon lesen kann, noch ehe ich sie getippt habe. Und das nicht, weil er ein Spion ist, der heimlich mitliest, sondern weil er der Grundton meines Lebens ist, der mich mit seinem Lied ins Leben gesungen hat. Und so umwebt er mich mit seiner Melodie, die er sich allein für mich ausgedacht hat, weil er mich ganz einzigartig ins Leben gerufen hat. Um diese Melodie hören und mitsingen zu können, ist es hilfreich und wichtig, wenn ich aus den Tönen des Alltags aussteige. Wenn ich das Telefon mal zur Seite lege und offline bin. Dann kann ich still werden für und vor Gott und dann kann ich einschwingen in diese Melodie. Das ist echtes Aufatmen und das ist die Zeit, in der ich meiner Sehnsucht nachspüren kann. Daraus ergibt sich, dass ich die Zeichen der Zeit und die Botschaft Gottes in der Zeit besser entdecken und lesen kann, um dann einzustimmen in die Melodie Gottes. So kann ich die Liebe Gottes zu den Menschen tragen und auch sie dabei unterstützen, ihre Lebensmelodie, die Gott in ihre Herzen geschrieben hat, zu entdecken. Wenn dann eines Tages alle Menschen ihre Melodie singen, dann wird es eine himmlische Musik und die Welt ist erfüllt von Gott selber.  

Sr. Kerstin-Marie Berretz OP