Gesungene Gebete

Wie solln wir leben hier in dieser Stadt?

 

Es ist ein Lied voller Sehnsucht und zugleich voller Gewissheit. Der Text orientiert sich an Psalm 137, an Worten, die ber Generationen Vorstellungen von Verschleppung, Heimatverlust, Unterdrckung und auch kritischer Selbsterkenntnis konserviert hatten.

„An den Strmen von Babel, da saen wir und weinten“, so der Psalmbeter.

Wer kennt nicht den Song Rivers of Babylon von Boney M.? Was Frank Farian in diesem Hit munter klingen lsst, eingepackt in zeitgemen Pop der spten 70er und ein bisschen Jamaika, ist in seinem Ursprung eine Leidens- und Klageweise, absolut nichts zum Jubeln und zum Tanzen...

Dem Textautor gelingt es mit seinen Versen, das alte Klagelied ins Heute zu ziehen.

Wie einst das untreue und verbannte Volk Israel wird ein glubiger Mensch heute manchmal die bohrende Frage spren, wie eine Glaubenspraxis mglich sein kann in einer Welt, die von Gott nicht mehr viel wei oder Fragen und Antworten einer Religion zunehmend ausblendet.

Der Beter/die Beterin heute trgt keine Verantwortung fr eine Welt, in der die Kirche keine Hauptrolle mehr spielt im groen Welttheater, sie nur noch ein Anbieter/Player unter vielen anderen mit Sinnfragen und Sinn-Angeboten ist. Die Grnde fr Ent- und Verwicklungen sind vielschichtig... Doch die Spannung wird immer sprbar sein, und es wird Kraft kosten, sie auszuhalten: die (gottlose) Welt mit all den Herausforderungen, Feindlichkeiten, Nten und Sorgen steht im krassen Gegensatz zu den biblischen Verheiungen von Frieden, Heil, Heimat und Gottes Liebe.

Ein wenig Lsung (Erlsung?) finde ich in der Musik. Was im alten Psalmgebet bereits deutlich wird und die Szene durchzieht ist: das Lied.

Gesungene Lieder sind Heimat, sind Ausblender fr Schmerz und Depression. Wo Weinen und  Klage zum Lied werden, wo dennoch Zuversicht und Hoffnung durchklingen, wo Menschen sich einstimmen lassen und zusammenfinden in Liedern und Musik, da beginnt die kraftschpfende Arbeit von Traum und Sehnsucht.

Solche Energie ist nicht zu unterschtzen. Singen unterdrckt Angst und stimmt ein auf Leben. Im Lied mag ich mich auch fest machen an Gott und seinen Verheiungen nachspren.

'Wie solln wir leben hier in dieser Stadt' beschnigt nicht die Not und Finsternis einer Gottesferne; doch es ermuntert zum Leben in der je eigenen Welt und schafft Raum fr Himmel und Ewigkeit. Ich darf sein …, singen... und bleiben in Gott. Wunderbar.

Norbert M. Becker