Gesungene Gebete

Ohren, um zu hören

  Ohren, um zu hören, was der Geist uns sagt, .... Gerade jetzt in diesen Tagen sind mir Momente geschenkt, viel tiefer zu hören und nachzuspüren, als es mir sonst möglich war.

Natürlich mache ich einmal im Jahr meine Exerzitien, die ich auch eine Zeit gerne in Hoheneichen gemacht habe. Aber Exerzitien sind anders. Jetzt in der Zeit der Corona-Pandemie ist die ganze Welt aus den Fugen, in den Exerzitien manchmal nur mein Blick oder meine Perspektive.

Ich kann mich jetzt ganz anders mit anderen Menschen unterhalten, obwohl wir physisch distanziert sind. Ich spüre mich über Distanzen hinweg und versuche ganz da zu sein. Meine Hände versuchen sich einzusetzen und ganz anders einzuspüren als sonst.

Meine Fantasie, ja meine Kreativität oder auch der Spirit, der geschenkt ist, darf auf ganz andere Art und Weise, in anderen Kanälen sich auswirken und die sonst so gewohnte Arbeit unterstützen.

Es ist etwas ganz Neues - und doch ist die Welt nicht neu, aber unsere Umgebung nehme ich anders, neu wahr.

Ich schaue mir die Menschen anders an, mache mir Sorgen oder fühle mit vielen mit, ohne sie näher zu kennen. Gut, dass ist nicht ganz neu, aber intensiver zurzeit, in der ich mich mehr in die Zeit hineinhöre.

Ich höre nicht nur Pandemie, ich höre Angst vor der Zukunft, Angst vor Vereinsamung, Sehnsucht nach Gemeinschaft, Sehnsucht nach Freundschaften, nach Gewohntem. Ich spüre Verunsicherung und einiges Ungewisse und auch Aufbrüche, Neuanfänge, die sich wie kleine Samenkörner erst als Keimlinge zeigen.

So vieles ist ungewohnt, deswegen muss es nicht negativ sein. So vieles macht Angst - und wir wollen keine Angst haben, trotzdem ist Vernunft geboten. Vertrauen in die Vernunft, Vertrauen in das, was uns doch trägt durch alles hindurch. Wir haben jemanden, der uns trägt und uns begleitet. Er ist bei uns, im Hören, Sehen, Fühlen und mit ihm können wir Zukunft wagen, denn er ist unser Gott, er steht uns bei.

Dorothea-Maria Slabschie, Kloster Hermeskeil