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#beziehungsweise: B'reschit - Im Anfang

Wir trinken auf das Leben

Freude am Wort Gottes: Breschit beziehungsweise Im Anfang.

Im Anfang war das Wort. Jeden Sonntag wird aus der Bibel gelesen. Jeden Schabbat auch. Im Judentum und im Christentum gibt es verschiedene Traditionen der Auslegung. Sie erstaunen, sind manchmal widersprchlich und ergeben einen Vielklang. Ein gemeinsamer Schatz!

Eine jdische Stimme:
Rabbinerin Dr.in Ulrike Offenberg
Eine christliche Stimme:
Dr. Katrin Brockmller, Direktorin Katholisches Bibelwerk e.V.

„Das ist die Torah, die Moses den Kindern Israel vorlegte, auf Gehei Gottes durch Moses. “

„Ein Baum des Lebens ist sie denen, die an ihr festhalten; wer sie ergreift, ist glcklich.“

Diese Verse werden am Ende der Torahlesung im Gottesdienst gesungen, whrend die Torahrolle emporgehoben und ihr Text den Anwesenden gezeigt wird. Danach wird sie festlich in einen bestickten Samtmantel eingekleidet, mit einem Schild und einer Krone oder Aufstzen aus Silber, an denen kleine Glckchen klingen, geschmckt. Anschlieend wird die Torahrolle feierlich durch die Synagoge getragen, bevor sie wieder zurck in den Aron Hakodesch, die Heilige Lade, zurckgestellt wird. Diese prunkvolle Prozession ist ein Ausdruck der Ehrerbietung fr die Torah, also die Fnf Bcher Mose, die den Kern der Offenbarung am Sinai darstellen. In Hochachtung vor dem berlieferten Text und seiner Bedeutung fr die vielen Generationen vor uns haben die Torahrollen noch immer die traditionelle Gestalt antiker Bcher: Der Text wird von speziellen Schreibern mit Feder und Tinte auf Pergamente geschrieben, die wiederum zu einer langen, ca. 25 m langen Bahn zusammengenht und zwischen zwei Holzstangen befestigt werden. Nur eine solch handgeschriebene Torahrolle gilt als koscher und geeignet fr den Vortrag im Gottesdienst.

Die Fnf Bcher Mose sind in 54 Abschnitte eingeteilt, sodass jede Woche ein bestimmter Abschnitt, der etwa drei bis fnf Kapitel enthlt, gelesen wird (an manchen Schabbatot auch ein Doppelabschnitt). Ihren Titel beziehen diese Wochenabschnitte von einem markanten Wort im Anfangsvers dieser Lesung, das dann auch dem jeweiligen Schabbat seinen Namen gibt. Diese Bezeichnung eines Torahabschnitts ist Jdinnen und Juden oft vertrauter als die Nummerierung nach Kapiteln und Versen. Der Vortrag des Textes erfolgt in der Regel auf Hebrisch, wobei die Worte in festgelegter, jahrhundertealter Kantillation gesungen werden. Dazu werden einzelne Gemeindemitglieder auf die Bimah gerufen, wo sie die Lesung mit Segenssprchen erffnen und beschlieen. Die brigen Anwesenden verfolgen die Lesung in Buchausgaben, die hufig auch bersetzungen in die Landessprache enthalten.

Andere Teile des Tenach, der Hebrischen Bibel, werden nicht in dieser systematischen Weise vorgetragen. Jedem Schabbat ist ein Text aus den Prophetenbchern zugeordnet, der auf ein Thema des Torahabschnitts Bezug nimmt. Einzelnen Feiertagen sind Megillot, also Lesungen der Bcher Hohelied, Ruth, Klagelieder, Jonah, Prediger und Esther zugeordnet. Die Psalmen sind fester Bestandteil des persnlichen und des Gemeindegebets.

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„Wort des lebendigen Gottes.“ – „Dank sei Gott.“

„Evangelium unseres Herrn Jesus Christus.“ – „Lob sei dir, Christus.“

Mit diesem Lobpreis antwortet die Gemeinde in der katholischen Liturgie auf die Lesung. Immer wieder neu wird die Frage diskutiert, ob und wie jede Lesung tatschlich „Wort des lebendigen Gottes“ ist. Dabei hilft eine grundstzliche Unterscheidung des II. Vatikanischen Konzils: Die Bibel enthlt „Gottes Wort im Menschenwort“. Denn jeder Bibeltext ist im doppelten Sinn des Wortes „Wort des lebendigen Gottes“. Einerseits, weil jedes Menschenwort in der Bibel gttlich inspiriert ist (und trotzdem menschlich in allen Facetten bleibt!) und anderseits, weil durch und im biblischen Text Gott auch in unsere konkrete Gegenwart „sein Wort“ heute spricht. „Gottes Wort ist in den vielen Worten“, so drckte es Bischof em. Joachim Wanke aus.

Dabei wird in christlichen Gottesdiensten an Sonntagen sehr selten eine Vollbibel verwendet. Die biblischen Textabschnitte, die nach der Leseordnung als Lesungen oder Evangelium vorgetragen werden, sind im mehrbndigen Lektionar abgedruckt. Fr den Vortrag ist der Text mit berschriften, Sinnzeilen u. . vorbereitet. Das Lektionar selbst ist ein schn gestaltetes aber relativ einfach gehaltenes Buch. Manchmal knnen fr die Lesung aus den Evangelien zustzlich eigene Evangeliare vorhanden sein, die dann in der Regel mit kostbaren Stoffen wie Seide eingeschlagen und mit Edelsteinen oder anderen wertvollen Applikationen verziert sind.

Das „Wort Gottes“, das im Lektionar (oder auch das Evangeliar) anwesend ist, wird in unterschiedlicher Weise in den verschiedenen christlichen Gottesdiensten verehrt. In der katholischen Tradition kann es bereits bei einem feierlichen Einzug aus der Sakristei durch den Kirchenraum und damit durch das Volk zum Altar und dann zum Ambo getragen werden. Das Buch kann mit Kssen verehrt werden oder mit Weihrauch und Kerzen in einer feierlichen Prozession begleitet werden. Nach den Lesungen bleibt das Buch meist am Ambo liegen oder es gibt einen Ort, an dem das Buch offen prsentiert werden kann. Hufig wird das Lektionar (oder Evangeliar) am Ende des Gottesdienstes beim Auszug vom liturgischen Dienst wieder in die Sakristei mitgenommen.

Die Leseordnung der christlichen Kirchen sind anders organisiert als die jdische Leseordnung. Es gibt kein einziges Buch oder eine Buchgruppe, die vollstndig gelesen wird. (Einzig das Stundengebet in den Klstern betet alle Psalmen durch.) Weder im dreijhrigen katholischen Lesezyklus, noch in den sechs Jahren der evangelischen Predigttexte noch im kumenischen „Revised Common Lectionary“ (1992) ist Vollstndigkeit das Ziel, wobei die reformierte Kirche in der Tradition Zwinglis die lectio continua einzelner Bcher weiter praktiziert.

Die katholische Ordnung wurde zuletzt nach dem 2. Vatikanischen Konzil berarbeitet und ist so aufgebaut, dass jeweils ein Jahr lang ein Evangelium durchgngig (aber nicht vollstndig!) gelesen wird (A: Matthus, B: Markus, C: Lukas, Johannes v.a. an Feiertagen). Dieser Lesung aus dem Evangelium sind eine thematische Lesung aus einem alttestamentlichen Text sowie eine Bahnlesung (Abschnitt fr Abschnitt) aus einem der Briefe, aus der Apostelgeschichte oder der Offenbarung zugeordnet. Diese thematische Zuordnung von Texten aus dem Alten Testament auf die Perikopen der Evangelien wird heute sehr kritisch bewertet. Denn eine Wertschtzung in ihrem Eigenwert wird durch die Art der sehr begrenzten Auswahl und ihrer „Dienstfunktion“ im Blick auf das Evangelium kaum mglich. Zudem fehlt einfach ein groer Bereich aus der gesamten Flle der Bibel.

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Weiterlesen: www.juedisch-beziehungsweise-christlich.de/januar/