Die Glasfenster der Herz-Jesu-Kirche in Lünen-Mitte erstrahlen nach der Renovierung in neuem Glanz

25. Januar 2023
Seit vielen Jahren ist der Kalender „Stationen im Erzbistum Paderborn“ vielen ein geschätzter Begleiter. Auf 24 Kalenderblättern werden 24 Stationen aus dem Erzbistum mit Foto und Text präsentiert. In diesem Jahr trägt eins der Kalenderblätter ein Motiv der Herz-Jesu-Kirche in Lünen-Mitte.

Vier heilige Herzen in Lünen

Wer sich in Lünen an der Herz-Jesu-Kirche verabreden möchte, muss sich präzise fassen. Denn es gibt davon drei. Die 1904 im Stil der Neugotik errichtete Herz-Jesu-Kirche ist die katholische Hauptkirche der Stadt und des Pastoralen Raums Lünen. Dazu kommen die 1897 geweihte Herz-Jesu-Kirche in Lünen-Beckinghausen, ein ebenfalls im neugotischen Stil errichteter Backsteinbau, und die 1914 konsekrierte Herz-Jesu-Kirche in Lünen-Brambauer, die den neubarocken Stil vertritt. „Zusätzlich haben wir in Lünen-Horstmar die moderne Kirche Herz Mariä“, erklärt Pfarrer Dr. Thomas Roddey. „Damit schlagen in Lünen vier hochheilige Herzen.“

Für das dreifache Herz-Jesu-Patrozinium wie für die Herz-Mariä-Kirche gibt es historische Erklärungen. Die Herz-Jesu-Frömmigkeit stützt sich auf das Johannesevangelium. Dort heißt es bei der Schilderung der Passion, dass ein Soldat dem gekreuzigten Jesus mit der Lanze in die Seite stieß, um sich zu vergewissern, dass er tatsächlich tot war. Das herausfließende Blut und Wasser deutete die Alte Kirche als Spende zweier Sakramente: Das Blut stand für die Eucharistie, das Wasser für die Taufe. Die geöffnete Seite war zudem das Sinnbild für die Pforte des Heils, das Herz Jesu symbolisiert die göttliche Liebe. Im Mittelalter war die Herz-Jesu-Frömmigkeit in mystischen Bewegungen weit verbreitet. Aber auch in späterer Zeit blieb diese Form der Spiritualität erhalten. Papst Leo XIII. weihte im Heiligen Jahr 1900 die gesamte Menschheit dem Herzen Jesu. „Zu dieser Zeit verzeichnete Lünen durch den Bergbau einen enormen Zuzug auch katholischer Arbeiterfamilien“, berichtet Pfarrer Roddey. „Es wurden daher neue Kirchen gebaut, und weil das Herz-Jesu-Patrozinium seinerzeit populär war, kam es in Lünen zur besagten Häufung.“

Die Herz-Mariä-Verehrung hat ebenfalls biblischen Ursprung – und dass es in Lünen eine Herz-Mariä-Kirche gibt, ist abermals ein Ergebnis von Zuwanderung. Die biblischen Textstellen finden sich im zweiten Kapitel des Lukasevangeliums. Dort heißt es sowohl bei der Erzählung von der Geburt Jesu wie bei der Geschichte des zwölfjährigen Jesus im Tempel, dass Maria die Geschehnisse und Worte zwar nicht deuten konnte, sie aber in ihrem Herzen bewahrte. Zuletzt erfuhr die Herz-Mariä-Spiritualität mit der Marienerscheinung von Fátima im Jahr 1917 einen Popularitätsschub – vor allem in den Mittelmeerländern, aber auch in den katholischen Regionen der deutschen Ostgebiete. Daher lag es nahe, die Kirche, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Lünen-Horstmar für Geflüchtete und Heimatvertriebene aus Schlesien, aus dem Sudetenland und aus Ostpreußen gebaut wurde, dem Herzen Mariens zu weihen.

Welche der vier Herzenskirchen ist nun die Herzenskirche von Dr. Thomas Roddey? Auf die Frage antwortet der Pfarrer erst mit einem entwaffnenden Lachen und anschließend mit Diplomatie: „Jede Kirche hat ihre Bedeutung für die Menschen. Das gilt es zu respektieren.“ Was Thomas Roddey jedoch zugibt, ist seine besondere Beziehung zur umseitig abgebildeten Abendmahlszene auf einem der Chorfenster in der Herz-Jesu-Kirche in Lünen-Mitte. Seit der Renovierung im Jahr 2021 strahlt das Bild wieder in kräftigsten Farben. „Beim Gottesdienst habe ich das Fenster im Rücken, sehe es also nicht“, berichtet Pfarrer Roddey. „Dafür haben die Besucherinnen und Besucher des Gottesdienstes beides im Blick: die Abbildung des letzten Abendmahls und seine Übertragung in der Feier der Eucharistie.“

Der Kalender 2023 – Stationen im Erzbistum Paderborn – ist im Format 24 mal 26 Zentimeter erschienen. Er wird vom Erzbischöflichen Generalvikariat Paderborn herausgegeben. Der Kalender kostet 9 Euro und ist aktuell noch im Buchhandel erhältlich (ISB 978-3-89710-919-3). Er kann auch beim Bonifatius-Verlag (E-Mail: bonifatius@azb.de, Internet: www.bonifatius-verlag.de, Telefon 02832-92991) bestellt oder auch direkt in der Bonifatius-Buchhandlung Paderborn (E-Mail: paderborn@bonifatius.de) erworben werden.

Besim Mazhiqi / Erzbistum Paderborn