04.08.2026
Paderborn

„navi4life Find in dein Leben!“ auf Libori 2026 am Domturm mittendrin

navi4life war auf Libori und hat viele interessierte Menschen ansprechen können

„Wir kommen aus Dresden und haben von eurem Parcours gehört, können wir den einmal machen?“ fragen zwei junge Männer – um die 20 Jahre alt während der Liboritage 2026 am Domturm in Paderborn angekommen. Wir kommen ins Gespräch. Sie stammen aus einer kleinen Pfarrei in Sachsen und haben dort eine sehr lebendige Gemeinde-Erfahrung machen dürfen. „Und jetzt geht’s drum, zu verstehen, wo die Lebensreise hingehen soll und da kommt euer Audio-Parcours gerade richtig!“ Nachdem sie durch die vier Räume gelaufen sind, reagiert einer der jungen Männer. „Ich fand den Raum der Verantwortung besonders sprechend für mich. Dort gab’s ja drei Zitate und von einem hab ich ein Foto gemacht. Es stammt von Yehudi Menuhin: ‚Freiheit ist nicht Freiheit zu tun, was man will, sie ist die Verantwortung, das zu tun, was man tun muss.‘ Das hat mich total angesprochen. Und das ist gerade mein Punkt, zu entdecken, wofür ich gemacht bin.“ – „Ja“, antworte ich scherzend, „jeder ist eine ganz besondere von Gott gemachte Backmischung und der auf die Spur zu kommen, ist uns aufgetragen. Und irgendwann sagen wir dann: ‚Ich hab’s! Bin irgendwie angekommen!‘“ Die beiden interessieren sich sehr für unsere Arbeit und so stellen wir ihnen noch die beiden Handreichungen, die wir in Form einer Klemm-Mappe anbieten, vor: school4life und firm4life. Interessiert hören sie zu und nehmen voller Freude beide Klemm-Mappen mit. Als ich die beiden wissen lasse, dass wir diesen Weg navi4life schon im Ordinariat in Dresden vorgestellt haben und dass wir für den Herbst dieses Jahres eine Zoom-Fortbildung für die pastoralen Mitarbeiter*innen des Bistums Dresden-Meißen avisiert haben, bitten sie noch um unsere Kontaktdaten. „Seid euch gewiss, im Zoom-Meeting sind wir mit dabei!“ Dankbar für unsere so bereichernde Begegnung verabschieden wir uns.
„Ja, ich arbeite an einer Berufsschule in der Nähe von Bielefeld. Ich habe mir gerade das Logbuch Mein Leben – windschief und glänzend angeschaut. Das hat mich fasziniert. Es ist so schön aufgemacht und es ist wirklich an den Fragen der Jugendlichen dran. Ich bin auch Reli-Lehrerin an meiner Schule, aber irgendwie gelingt es uns Lehrer*innen ja nicht, das Gesamt des Lebens in Blick zu nehmen. Wie machen Sie das denn?“ Wir erzählen von unseren navi4life-Einsätzen an verschiedenen weiterführenden Schulen und von den Früchten, die uns die Schüler*innen rückmelden. „Und wie kommen Sie in Kontakt zu den jungen Leuten?“ Meine Antwort: „In einer Klasse angekommen, lasse ich die Schüler*innen als erstes verstehen, dass wir keine Lehrer sind und keine Noten geben. Wir sind nur gekommen, um ein paar Ideen fürs Lebenzu geben. Und dann frage ich: ‚Wer ist gut in Englisch? Wer in Bio? Und wer in Kunst?‘ Dann gehen immer einige Finger. ‚Und wer ist gut im Fach mein eigenes Leben?‘ Dann schaue ich immer in verdutzte Gesichter. Und genau darum geht’s bei navi4life, das Gesamt des eigenen Lebens einmal in Blick zu nehmen und einigen perspektivischen Fragen nachzugehen.“ Gespannt hatte meine Gesprächspartnerin zugehört. „Kämen Sie auch mal an meine Berufsschule? Ich glaube, das wäre für unsere Schüler*innen, die ja an dem Punkt stehen, ins Leben starten zu müssen, ein großer Gewinn.“
„Darf ich auch mal rein?“ fragt ein 11-jähriger Junge. Nachdem ihm das Procedere im Parcours erklärt worden ist, traut er sich den Weg alleine zu und geht los. Zehn Minuten später steht er strahlend an der Ausgangstür. „Boh, wie cool. Ich fand den letzten Raum mit den vielen Gesichtern aus dem Stadion richtig toll. Und ich war mittendrin und bin einzigartig!“ Als er dann den kleinen Aufkleber Du bist einmalig! geschenkt bekommt, sagt er: „Ich weiß auch schon, wo ich den hin klebe! Auf meinen Spiegel. Dann wird jeder Tag einmalig.“
Und dann waren da noch die drei Studierenden von der Katholischen Hochschule Standort Paderborn. Sie interessierten sich sehr für die Mappe firm4life und ließen sie sich genau erklären. „Das ist ja total praktisch, weil schon alles vorbereitet ist und so eine Riesenhilfe für unsere Arbeit in der Pastoral sein kann. Und was faszinierend ist, ihr seid dran an den Jugendlichen und habt damit eine Hilfe geschaffen, ins eigene Leben zu finden. Danke für diese tolle Arbeit.“ Als ich ihnen eine schenke, sagen sie: „Toll, die nehmen wir mit und zeigen sie unserem Professor. Vielleicht können wir sie ja mal in einer Seminararbeit analysieren.“ Dann fällt der Name Hans Hobelsberger. Erinnerungen an vergangene Zeiten, als er noch in der Arbeitsstelle für Jugendseelsorge in Düsseldorf gearbeitet hat, werden wach. „Nehmt herzliche Grüße an ihn mit!“ trage ich ihnen auf. „Machen wir gern und wir sind uns sicher: Wir bleiben in Kontakt!“
Als wir nach neun Tagen auf Libori gerade mit dem Abbauen beginnen wollten, kam noch ein Mann mittleren Alters vorbei. Er bat, auch noch durch den Parcours gehen zu dürfen. Er erlebte bei uns ein offenes Herz und eine große Hörbereitschaft. So ließ er uns wissen, dass er seinen Sohn mit 19 Jahren verloren hatte. „Ich bin so dankbar, dass ich meinen Schmerz noch mit euch teilen konnte. Der Weg durch die vier Räume war ein großes Geschenk für mich. Er hat mir gut getan. Irgendwie hatte er für mich etwas Heilendes an sich!“
So haben wir vom go4peace-Team – zusammen mit einigen engagierten Ehrenamtlichen – neun Tage lang bei Regen, Sturm und Hitze an den drei Pagoden des Parcours gestanden. Dabei durften wir verschiedensten Menschen begegnen, Bischöfen und Generalvikaren, Ordensschwestern und Ordensbrüdern, Lehrer*innen und Rektor*innen und vor allem Jugendlichen von nah und fern. Sie kamen von den Philippinen und aus Afghanistan, aus Nigeria und Kamerun, aus dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika, aus Österreich und Deutschland, aus Indien und Polen … Alle waren eingeladen, in das große Narrativ der Menschheitsgeschichte einzutauchen und darin den je eigenen Weg entdecken und gehen zu lernen. 237 Personen haben sich den Kopfhörer aufgesetzt und sind durch den Parcours gegangen. Wir haben viel Wertschätzung und Anerkennung hören dürfen und verschiedene Personen interessieren können, navi4life an ihre Schule und in ihre Gemeinde zu holen. So geht der Weg weiter. Haben wir bisher mit dem Projekt schon 4447 Jugendliche und 517 Multiplikator*innen erreichen können, so haben sich auf Libori neue Kooperationspartner aufgetan. So war es gut für uns, zum vierten mal auf Libori am Domturm „mittendrin“ gewesen zu sein.
Meinolf Wacker